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Mein liebes Heimatdörfchen Rohnstadt

I Eine Geschichte von Minna Eichhorn


Vor acht Jahrzehnten erblickte ich das Licht der Welt, in einem kleinen Dorf, welches von Feldern umgeben in einem Bergsattel eingebettet liegt. Es ist mein liebes Heimatdörfchen Rohnstadt. Von wenigen Familien abgesehen, besaßen fast alle Bewohner eine kleine Landwirtschaft. Während die Männer in Gruben und Fabriken ihr Geld verdienten, bebauten die Frauen und Kinder und auch die Großeltern, soweit es ihnen noch möglich war, das Land.

In meinem Elternhaus lebten nun meine Eltern, der Großvater, mein Bruder und ich. Ich habe nun das biblische Alter überschritten und ich möchte in dem Buch die Vergangenheit weit zurückblättern, eben so weit ich mich zurückerinnern kann. Mein Vater arbeitete auf der Audenschmiede und bei Arbeiten auf dem Feld wurden wir Kinder mitgenommen. Über Langeweile konnten wir ja nie klagen, es gab ja immer was Neues zu entdecken. Manchmal war es ein Wurm, den wir über die Hand gleiten ließen, oder eine Raupe, die ihren Weg am Arm aufwärts suchte, oder ein Marienkäferchen mit Punkten welches auf dem Bein gelandet war und es gab Steinchen, aus denen wir versuchten, Häuschen zu bauen. Wenn dann Zeit zum Kaffetrinken war, dann wurde ganz schnell der Korb und die Kanne herbeigeholt. In dem Korb war meistens ein halber Laib Brot, schön eingepackt, damit es nicht trocken wurde, ein Steingut-Töpchen mit guter Butter, ein Glas Zwetschgenhonig, Messer und für jedes ein Köbchen. Dann schlug die Mutter ihren Schürzenzipfel auf links, der ja auch nicht mehr ganz sauber war und sie hat das Brot in Scheiben geschnitten. In der Kanne war Kaffee, der meistens ziemlich weiß aussah, wir hatten ja gute Milch und da wurde ja nicht gespart. Es war eine Köstlichkeit, dieses Brot, welches wir auf dem Acker aßen.

Ja, das war so, wir haben damals unser gutes selbstgebackenes Brot auf dem Feld mit ungewaschenen Händen gegessen. Wir Kinder haben mit unseren Händen in der Erde gespielt und ich glaube, das Wort "Hygiene" hat es damals für die Landbevölkerung überhaupt noch nicht gegeben. Ich denke, so etwas wie Allergie gab es damals noch nicht. Ich kann mich erinnern, damals gab es nur einen Arzt, der für ein paar Gemeinden zuständig war.

Ganz besonders schön war es im Frühling, wenn es auf dem Acker vor dem Steinchen Arbeiten gab. Von dort hatte man einen wunderbaren Blick über das Dorf. Die Häuser sind ziemlich eng zusammen gebaut, unsere Vorfahren hatten es wohl bedacht, daß bei irgendwelchen Witterungseinflüssen ein gegenseitiger Schutz vorhanden war. In den umliegenden Gärten und Feldern stehen zahllose Bäume und im Frühling, zur Zeit der Baumblüte, sieht es aus, als ob man unserem Dörfchen einen Blütenkranz umgelegt hätte.

Frühlingszeit - Osterzeit, so viele Erinnerungen an eine glückliche Kindheit kommen wieder ins Gedächtnis. Wie schön war es, wenn sich die Kinder an Ostern auf der Rausche trafen, um dort ihre schönen bunten Eier zu werfen. Die einen hatten Glück und konnten lange bei der Wette mithalten, die anderen hatten Pech, wenn so ein Ei beim ersten Wurf auf ein Steinchen aufkam und die Schale zerbrach, aber es war ja nur ein Spiel und zu Ostern bekam ja jedes Kind etliche Eier. Für uns, die wir im Jahr 1914 geboren waren, hat nun nach Ostern im Jahre 1920 die Schulzeit begonnen. Wir waren 6 Kinder, 4 Buben und 2 Mädchen, und unsere Mütter haben uns am ersten Schultag begleitet, mit einem großen Kuchenblech unterm Arm, auf dem eine wunderschöne Brezel lag. Ich glaube, die Eltern hatten damals Schwierigkeiten, das Allernotwendigste, was zum Schulanfang gebraucht wurde, zu besorgen. Ranzen gab es damals nicht, unsere Mütter hatten aus Stoff Taschen genäht und der Inhalt ist schnell aufgezählt: Ein Griffelkasten, in dem ein Griffel lag, schön anzusehen, er war bis zur Hälfte mit buntem Papier umwickelt, und eine Schiefertafel mit einem Holzrahmen, der an der einen Seite ein kleines Loch hatte, durch dieses war eine Kordel gezogen und an beiden Enden hingen zwei Schwämme. Das waren zusammengenähte Stofflappen, der eine zum Naßwischen und der andere für trocken. Der nasse Lappen war im Sommer die meiste Zeit, bis er gebraucht wurde, trocken, aber das war kein Problem, dann wurde eben mit Spucke gewischt und das war so wie so, wenn ein Buchstabe nicht recht gelungen war, wurde ja mit einem so angefeuchteten Finger auch, was nicht so recht geraten war, beseitigt. Und dann schleppten wir noch allerlei gute Ermahnungen unserer Mütter in unserer Tasche mit, so wie: "Paß auf, laß die Tafel nicht fallen, sie ist zerbrechlich", "Paß auf, daß du am Griffel die Spitze nicht abbrichst", und wie oft ist es trotzdem passiert.

So war es damals und diese Probleme kennen doch heute Schulanfänger nicht mehr, es ist ja auch nur als Vergleich gedacht. Ein Jahr später wurden noch zwei Mädchen auf die bis dahin zwei leeren Stühlchen in unserer Bank dazugesetzt. Mit ihnen haben wir nicht nur die Schulbank geteilt, es waren liebe Kameraden und Freunde fürs Leben. Drei Jahre hat uns ein Lehrer namens Gabriel unterrichtet, wir wechselten über zur Mittelstufe und ein Lehrer Schweitzer hat von nun an in Rohnstadt die Schule übernommen. Bis dahin hatte es ja keine Schwierigkeiten gegeben, aber die Anforderungen wurden immer größer. Da gab es Fächer die mich nicht interessierten und der Lehrer war dann mit meinen Leistungen nicht zufrieden. Aber ich erinnere mich trotzdem gern an meine Schulzeit.

Unser Unterricht begann morgens mit Singen und Beten und die weitere Einteilung lag in der Hand des Lehrers. Wir waren 35-40 Kinder, eben 8 Klassen in einem Raum und es war verständlich, Blick in den alten Rohnstädter Schulsaaldaß es auch manchmal Probleme gab, die nicht mit Liebe und Güte zu lösen waren. Wenn's dann irgendwie gar nicht klappen wollte, dann war's der Stock, der auf dem Harmonium lag, der die Wogen wieder glättete.

Das was mir die Schule an Wissen mitgegeben hat, es hat ausgereicht, um den Ansprüchen die das Leben an mich stellte gerecht zu werden. Ich möchte es nicht versäumen, einmal die Namen meiner Schulkameraden aufzuschreiben. Vielleicht interessiert es mal jemand, wer damals zu dem Jahrgang 1914 gehört hat: Heinrich Fischer, Werner Freund, Oswald Löhr, Albert Klein, Paula Müller und ich, Minna Bäppler. Minna Fischer und Klara Möller waren 1 Jahr jünger, saßen aber 6 Jahre zusammen mit uns in einer Bank. Wir vier waren nicht nur in der Schulzeit unzertrennlich, auch die Sonntage und die wenige freie Zeit in der Woche wurden genutzt, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Gewöhnlich war es so, daß die Klara Sonntags noch fehlte und wir gingen in ihr Elternhaus, um sie abzuholen. Klaras Elternhaus, dem Aussehen nach hätte es mit das älteste Haus im Dorf sein können.

In der Stube saß dann der Christianpetter (Klaras Vater) bei der Arbeit. Er war dabei, die Schuhe nachzusehen. Da waren doch die Woche über hier und da ein paar Nägel verlorengegangen, die wurden ersetzt und wenn ein Eisen sich gelockert hatte, das hat er wieder befestigt. Er war sehr geschickt und immer froh und lustig. Aus der Küche verriet dann irgendein besonderer Duft, daß die Kalingeet (Klaras Mutter) am Wirken war. Durch einen engen halbdunklen Gang kam man in die Küche, die auch nicht hell war. Dort war sie dabei, das Schweinefutter zu richten und die Klara war beim Spülen. Es war nun mal so, die Tiere verlangten auch sonntags ihr Futter und ich glaube, für Klaras Mutter hatte der Sonntag doch an Bedeutung verloren und trotz aller Arbeit war sie immer froh und zufrieden und wir waren willkommene Gäste.

Sie stellte das Waffeleisen auf den Herd, rührte einen Eierteig an und sie freute sich, wenn uns ihre frischgebackenen Waffeln schmeckten. Da stand noch eine Schüssel mit Zucker auf dem Tisch, grober Zucker war's, und wir gingen nicht sparsam damit um und der knirschte so zwischen den Zähnen.

Wir Kinder besuchten auch oft unseren Friedhof. Wir benutzten dann meist das schmale Treppchen in Krause Hof, das zu Kunerods Hofstück führte. Das war ein großes Wiesengrundstück mit Bäumen und einem Garten. Es gehörte Paulas Eltern und da gab's im Sommer immer irgendwas zum Naschen. Die frühen Pflaumen, die Kirschen und im Garten gab's Stachelbeeren und Johannisbeeren und dann waren wir am Friedhof. Da stand damals noch ein kleines Haus ohne Fenster. Wer es einmal gebaut hat und zu welchem Zweck, ich weiß es nicht, "es Kapellche" wurde es genannt. Hinter ihm waren nun Kindergräber, denen unser Interesse galt. Einige waren mit Liebe gepflegt, auf den kleinen Holzkreuzen standen Namen, auf etlichen stand nichts, scheinbar war ihr erster Schritt ins Leben so kurz, daß vielleicht die Zeit für ein Vaterunser von den Eltern noch gereicht hat, um ihr kurzes Erdendasein zu begleiten. Hier und da war nur ein kleiner Hügel mit Gras überwachsen. Ich glaube, in dieser Zeit müssen mehr Kinder im zarten Alter gestorben sein, als heute.

An der hinteren Wand von dem Kapellche war ein Loch und wir haben nacheinander dort hineingeschaut. Ich muß es nun so schreiben, die kindliche Phantasie kennt ja an so einem geheimnisvollen Ort keine Grenzen. Es waren Sonnenstrahlen, die vielleicht durch ein paar schadhafte Stellen im Dach in dem dunklen Raum zu sehen waren und wir haben damals die Kindergräber, das Loch in der Wand und was wir nur undeutlich sehen konnten, zusammengereimt und es jahrelang als unser Geheimnis, von dem ja niemand etwas erfahren durfte, behütet, Langeweile kannten wir ja nicht. Zu der Minna ihrem Elternhaus und im Hof fanden wir Spielkameraden zum Versteckspielen, dort hatten wir schon jede Ecke ausgekundschaftet. Die Minna war eins von zehn Geschwistern, sie waren alle liebe Spielkameraden und ich kann die schönen Stunden die wir gemeinsam verlebt haben, nicht vergessen. Ab und zu fanden wir uns dann bei der Paula ein. Da war hinter der Scheune ein großer freier Platz, "de Göwelplatz", vielleicht erkläre ich später einmal, was dieses Wort bedeutet. Ein ganz schmaler Durchgang zwischen Scheune und Schuppen und dort konnten wir unbeobachtet spielen. Nur die Hilfe von der Paula ihrer älteren Schwester mußten wir manchmal in Anspruch nehmen. Wir besaßen ja keine Spielsachen, aber ich glaube, mit Puppen haben Kinder schon immer gespielt. Wir suchten im Schuppen Holz, das sich für diesen Zweck verwenden ließ, die Gertrud holte ein paar Lappen, die wir als Kleider um das Holz banden und wir hatten die schönsten Puppen. Ein paar Porzellanscherben, das waren die Teller, ein paar kleine Hölzchen ersetzten Messer und Gabel. Ich glaube nicht, daß die Kinder heute mit ihren wunderschönen Spielsachen glücklicher sind, als wir es waren. Bei Regenwetter fanden wir uns meistens in meinem Elternhaus in der Stube zusammen. Mein Bruder hatte mit viel Geschick ein paar Heimspiele zusammengebastelt. Auf einem Pappkarton hatte er eine Mühle aufgemalt, dazu gehörten neun Hosenknöpfe und neun Hemdenknöpfe, wir hatten ein Würfelspiel und ein Dominospiel, das war mal ein Geschenk von einem Paten. Bei jedem Spiel gibt's ja bekanntlich einen Gewinner, um diesen zu belohnen hatte meine Mutter ein paar Zuckerklümpchen spendiert. Manchmal fanden sich noch ein paar Nachbarskinder ein, es kam ja auf ein paar mehr nicht an, damals hatte ja noch niemand Bedenken. Teppiche, Polstermöbel, Seidenkissen und Glastischplatten konnten ja nicht ramponiert werden. Der Boden wurde am anderen Tag geputzt und alle Spuren vom Tag vorher waren beseitigt, ja, so war es damals.

Im Spätsommer, als auf der Rausche noch eine geschlossene Heidefläche blühte, zog es uns dort hin. Tagsüber, so lange die Sonne schien, summten dort die Bienen, die wohl den süßen Blütensaft als Wintervorrat sammelten. Aber gegen Abend, wenn die Sonne untergegangen war, dann pflückten wir einen großen Strauß, der getrocknet in unserer Stube der einzige Blumenschmuck über Winter war. Ich erinnere mich, zweimal im Abstand von ein paar Jahren war dann auf der Rausche ein großer Brand und die geschlossene Heidefläche war damals so gut wie vernichtet. Bei dem zweiten Brand wurden auch ein paar mit Korn beladene Erntewagen ein Raub der Flammen. Zwar wohnte ich damals nicht mehr in Rohnstadt, aber es ist und bleibt mein Heimatdörfchen und alles, was sich in all den Jahren an Freud und Leid dort ereignet hat, ich hab es mitgetragen.

Ich habe mich sehr gefreut, als ich erfuhr, daß es ein paar Männer gibt, die bestrebt sind, einen kleinen Teil dieser Heidefläche zu erhalten. Es hat sich ja so vieles verändert. Auf der Rausche, wo wir als Kinder gespielt haben, sind nun wunderschöne große Häuser gebaut und ich glaube, alle, die nun dort ihr Zuhause haben, werden sich wohl fühlen, sie grüßt am Morgen der erste Sonnenstrahl und am Abend der letzte. Ich lebe nun schon 60 Jahre hier in Langenbach und eigentlich ist ja hier mein Zuhause, hier sind meine Kinder geboren und wohnen zum Teil auch hier und doch gehen oft meine Gedanken zurück, dorthin wo meine Wurzeln sind.

Aber es hat sich ja so vieles geändert, die Straßen sind wohl noch die selben, die Häuser sind zum Teil umgebaut, hier und da ist eine Lücke entstanden und meine lieben alten Freunde und Nachbarn, sie kann ich nur noch in der Vergangenheit suchen. Ich bin nun noch die letzte Überlebende von unserem Jahrgang, es ist wohl ein kleiner Ausschnitt aus unserer Kindheit und doch wird es zu einem Vergleich ausreichen, um den Unterschied zur heutigen Zeit zu sehen.

Und nun möchte ich doch noch die Veränderungen aufschreiben, an die ich mich zurückerinnern kann. Aus unserer Schule ist nun ein Wohnhaus geworden, Klaras Elternhaus hat vor etlichen Jahren Platz gemacht, das Elternhaus der Minna, es war Heimstadt von zehn Kindern, hat den Besitzer gewechselt, die Paula mußte durch einen plötzlichen Tod im blühenden Alter ihre Familie verlassen und in meinem Elternhaus wohnen nun auch fremde Menschen. In den Höfen, wo früher ein großer Misthaufen schön aufgesetzt war, da blühen heute Blumen, das finde ich auch recht schön.

Der Poul, wo wir oft verbotenerweise im Wasser planschten, ist verschwunden, das alte Backhaus, wo unsere Eltern unser gutes Brot und den guten Kuchen gebacken haben, Mein Elternhaus in der Langenbacher Straßehat vor Jahren einem neuen Bau Platz gemacht und dort wird auch heute noch gebacken, aber im oberen Stockwerk ist nun die Heimatstube, eine wunderbare Einrichtung, nur so kann für die nachkommenden Generationen das Laben auf dem Dorf, wie es zur Zeit ihrer Ahnen und Urahnen war, in Erinnerung bleiben.

Aber nun möchte ich das Buch der Vergangenheit schließen und ich begebe mich auf einen Spaziergang in mein Heimatdörfchen, wie es heute ist. Vielleicht ist durch die Zusammenlegung hier und da nun eine andere Bezeichnung oder ein anderer Name entstanden, aber ich möchte die Namen benutzen, die mir eben noch geläufig sind und sie werden, denk ich mir, wenn auch nicht auf dem Papier, so doch im Sprachgebrauch erhalten bleiben. Wir haben im Sommer als Kinder gern das Müllepädche benutzt, diesen schmalen Durchgang zwischen Zwengels und Schumach Scheuer, es war der nächste Weg, um ganz schnell auf die Rausche zu kommen. In Zwengelsgarte, es war ein Grundstück mit alten riesigen Obstbäumen bestandenes Stück Land und dort war ein Birnbaum, Trauwebirn waren es, mittelgroß mit einer rauhen Schale, aber wunderbar süß und saftig, vielleicht gibt es sie heute gar nicht mehr, für uns Kinder war kein Weg zu weit, um nur eine Birne, die unter diesem Baum lag, zu holen.

Das Müllepädche und den Müllegoadde wird's nun nicht mehr geben. Eine schöne breite Straße, große Häuser, die in wunderschön angelegten Gärten stehen, haben nun dieses Feld, welches ich als Müllegoadde in Erinnerung habe, ganz verändert. Da, wo früher sich ein Garten an den anderen reihte, wo im Sommer ein Ährenfeld war und wo dann in der Erntezeit die Garben zu Hausten zusammengestellt waren und in langen gut ausgerichteten Reihen auf den Äckern standen, dort steht nun ein wunderschönes Bauwerk, das Bürgerhaus. Ja Bürgerhaus, das ist der richtige Name. Dort gibt es für jede feierliche Angelegenheit Räumlichkeiten, ob die Feiern groß oder klein ausgerichtet werden. Es ist Raum für Familienfeiern, für Festlichkeiten, die von der Gemeinde oder von Vereinen ausgerichtet werden. Am Sonntagmorgen treffen sich die Männer zum Frühschoppen und alle, die auf ihrem Spaziergang eine Rast einlagen, werden von dem freundlichen Wirtsehepaar herzlich begrüßt und gut mit Speisen und Getränken bedient.

Wenn man einen lieben Angehörigen zur letzten Ruhe bestattet hat, dann finden die Trauergäste dort den großen Saal, wohl vorbereitet für den Beerdigungskaffe, wie man eben so eine Zusammenkunft nennt. Meistens sind die Gäste recht zahlreich. Angehörige, Verwandte, gute Freunde und Bekannte, die den lieben Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleitet haben. Aber manchmal sind es auch Gäste, die sich verpflichtet fühlen, weil sie von Hörensagen wissen, daß einmal irgendwie ein Verwandtschaft bestanden hat und das ist, finde ich, dann sehr sehr schade, daß man dann die Beerdigung als Anlaß nimmt, um die Verbindung aufzufrischen.

Vor dem Eingang habe ich eine kleine auf einem Sockel stehende Glocke entdeckt. Es ist das kleine Glöckchen welches uns Kinder morgens, wenn wir auf dem Weg zu Schule waren, zur Eile mahnte. Erinnerungen werden wach, aus Kindertagen, wenn wir mit dem Großvater auf dem Feld waren und das Glöcklein läutete, nahm er seine Mütze auf und faltete die Hände und wir Kinder taten's im nach. Ich war so in Gedanken versunken, Gäste gingen an mir vorüber dem Eingang zu, vielleicht haben sie sich gewundert, was ich wohl an diesem alten Glöcklein so Interessantes oder gar schönes fand. Einen besseren Platz hätte man den Glöckchen nicht geben können und ich denke, nicht alle Gäste werden achtlos vorübergehen, ohne ihm einen Blick zu schenken.

Und nun ist es nicht mehr weit und ich stehe vor dem wunderschönen Kirchlein. Ganz schlicht und einfach in seiner Bauweise, anschließend steht nun die Leichenhalle. Von da ist es für die, die im Dörfchen zu Hause waren, nur noch eine kurze Zeitspanne des Blick nach Rohnstadt vom SteinchenAbschieds und dann finden sie auf dem so schön gelegenen Heimatfriedhof ihre letzte Ruhe. Auch hier hat sich manches geändert. Das geheimnisvolle Kapellche ist schon lange nicht mehr, der Friedhof ist vergrößert und schön angelegt. Alle, die auf dem linken Teil, wenn man den unteren Eingang benutzt, ihre letzte Ruhestatt gefunden haben, hab ich noch gut gekannt und ich habe doch gern dem Einen oder Anderen ein stilles Gebet und ein paar Minuten der Erinnerung gewidmet. Für einen großen Teil war nun die Liegefrist abgelaufen und die Gräber sind eingeebnet. Eine schön gepflegte Rasenfläche gibt noch Kunde, daß hier Bewohner unseres Dörfchens ihre letzte Ruhestätte haben.

An der Kirche ist nun eine Tafel angebracht, dort sind die Namen der Gefallenen zu lesen. Das sind die Namen von den lieben Gefährten meiner Kinder- und Jugendjahre, das ist ein Erinnern an unsagbares Leid und ich finde nicht die passenden Worte, mit denen ich das, was ich empfinde, zum Ausdruck bringen könnte. Irgendwo ruhen sie nun in fremder Erde. Aber die Sonne, die uns die Helle das Tages gibt, wird auch wohl über ihren Gräbern scheinen und der Mond und die Sterne, die wir am Himmel sehen werden, auch ihnen ihren Frieden geben. Nur ein Grab ist stellvertretend für alle, das Grab von unserem lieben Helmut Freund, ihn deckt hier auf seinem Heimatfriedhof Heimaterde.

Viele Jahre sind nun schon ins Land gegangen, aber für die, die nun an diesem Ort verweilen, sind's Erinnerungen und Mahnungen, die, so Gott will, von niemandem vergessen werden.

Ein stiller Wunsch

Ich möchte mal zu Mondscheinnacht
durch Heimatstraßen gehen
und unbemerkt dann mit Bedacht
in alle Höfe sehen.

Von jedem fiele mir was ein
aus schönen Jugendtagen.
Es kann doch nur die Heimat sein,
die so viel hat zu sagen.

Im Geiste schauten dann mich an
in altvertrauter Weise
die, die ich nicht vergessen kann
im heimatlichen Kreise.

Hätt mancher noch ein freundlich Wort
mit Lächeln mir zu bieten,
dann ging ich gerne wieder fort
und wär so ganz zufrieden.
 


(c) 2008 Heimat- und Geschichtsverein, 35789-Weilmünster-Langenbach

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