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Ein Waschtag anno dazumal

I Eine Geschichte von Minna Eichhorn


Vorerst möchte ich einmal den Raum schildern, in dem ich unsere Wäsche gewaschen habe. Wie bei vielen Leuten in dieser Zeit befand sich unsere Waschküche im Keller des Hauses. Mitten im Raum stand ein Kessel, ca. 150 1, zwei Zinkwannen, eine große und ein kleine Wasserleitung, an der ein Stück Schlauch befestigt war, der bis zum Kessel reichte. Zwei handgearbeitete Wäschekörbe aus Weidenzweigen, ein Waschbrett und zu guter Letzt noch eine Waschbürste, die aus bestimmten Wurzeln hergestellt war. Daß ich es nicht vergesse, was ganz wichtig war: Der Abfluß für das Wasser, welcher sich am Boden befand. Alles in allem keine komfortable, aber eine zweckdienliche Einrichtung. Meine Familie zählte 7 Personen; 5 Kinder und 2 Erwachsene. Nun könnt ihr euch vorstellen, was da in einer Woche alles für schmutzige Wäsche zusammenkam.

Doch nun zum Waschtag. Sonntagmorgens, wenn alle frisch angezogen waren und bereits das Essen für die Mittagsmahlzeit auf dem Herd kochte, begab ich mich in die Waschküche. Als erstes wurde die Wäsche sortiert in Kochwäsche, Buntwäsche und Strümpfe. Ich benutzte die große Wanne, ließ Wasser einlaufen und rührte ein Paket Henko (Einweichmittel) unter und legte die Kochwäsche hinein.

Es war wohl Sonntag, aber es war Kriegsende und mein Wäscheschrank hatte sich ganz schön gelichtet und für die Kinder waren nur die allernotwendigsten Sachen vorhanden (vielleicht hätte mich hier gern jemand gefragt, warum jede Woche nur ein Waschtag eingelegt wurde, das nur so nebenbei).

Sonntagabend, die Kinder waren meist schon im Bett, mein Mann ist zum Schwätzchen halten zum Nachbarn gegangen und ich hatte dann das Vergnügen, in der Wäschekammer Wäsche zu waschen. Der Kessel wurde bis zur Hälfte gefüllt und ein Paket Waschpulver eingerührt. Ich legte nun die Wäsche aus der Einweichlauge schön locker in den Kessel. Ein großer Korb mit Holz gefüllt, schön trockenes Scheitholz, und oben drauf noch eine Handvoll gebrochene Reiser, eine alte Zeitung und Streichhölzer, all dies hatten meine Kinder am Tag zuvor schon bereitgestellt. Und schon flackerte unter meinem Kessel ein lustiges Feuerchen. Ab und zu nahm ich das Wäschholz und bewegte die Wäsche hin und her bis sie kochte. Das Feuer konnte nun ausgehen. Der Deckel von dem Kessel wurde halb aufgelegt, damit die Lauge bis zum kommenden Morgen warm blieb.

Montagmorgen meist war die Nacht noch kürzer wie allgemein, es war ja Waschtag. In aller Frühe ging ich nun in die Waschküche, die Ärmel hochgekrempelt und an die Arbeit. Weißwäsche, die ich gut vorbereitet hatte, war ja hurtig gewaschen und im Wäschekorb. Es war Frühling, das Gras in den Wiesen war schon gewachsen und die richtige Zeit, um die weiße Wäsche zu bleichen. In den Kessel kam nun die Buntwäsche und für mich war es nun höchste Zeit, mich um meine andere Arbeit zu kümmern. Mein Mann mußte zur Arbeit, die Kinder pünktlich zur Schule und auch das Vieh mußte gefüttert werden. Ich muß es dazu schreiben, sonst könntet Ihr auf den Gedanken kommen, ich hätte mich den ganzen Tag nur in der Waschküche aufgehalten. Nachdem meine Arbeit im Stall getan war, habe ich eine kurze Kaffeepause eingelegt und schnell einen Blick in die Zeitung geworfen. Meist nur auf die hintersten Seiten, da stehen die Anzeigen von den Bekannten, die vor nicht allzu langer Zeit von uns gegangen waren.

In der Waschküche stand nun noch der Korb mit der weißen Wäsche, die ich auf die Bleiche bringen wollte. Der Korb mit der nassen Wäsche war sehr schwer, also nahm ich eine Schubkarre, stellte den Korb hinein, eine Gießkanne noch dazu und fuhr meine Wäsche zur Wiese. Schnell hatte ich einen Platz gefunden, wo ich meine Wäsche auslegen konnte. Bald lag nun meine Wäsche schön geordnet auf der Wiese. Im nahen Bach konnte ich mit meiner Gießkanne Wasser schöpfen, um die Wäsche zu begießen, denn die Wäsche, welche man bleichen wollte, wurde nicht ausgewaschen, mußte aber dafür begossen werden. So, nun den Schubkarren mit der Gießkanne an die Seite und mit dem leeren Wäschekorb ging es heimwärts. Nun ging die Arbeit in der Waschküche weiter, die Lauge im Kessel war inzwischen kalt geworden, also schnell ein paar trockene Reiser, die schnell abbrannten, die Lauge durfte ja nicht heiß werden. Natürlich waren bei der Buntwäsche manchmal Teile, wo ich das Waschbrett, die Bürste und ein Stück Seife zur Hilfe nahm. Die Buntwäsche wurde ausgewaschen so oft bis das Wasser klar blieb. Ich will nun den Abfluß am Boden erwähnen, man brauchte ja nur die Wanne mit dem Wasser langsam umzukippen und alles war wieder in Ordnung. Nun lag ja noch das Häufchen Strümpfe da, die wollten ja auch noch gewaschen werden. Die Strümpfe, ja, das war ein Kapitel für sich, denn auch sie kamen in die Lauge. Es waren dicke, handgestrickte, von Schafwolle hergestellte Strümpfe, die manchmal ebenso schmutzig waren wie auch die Schuhe, ja, Gummistiefel hätte man manchmal gebraucht. Wir trugen Halbschuhe, vom Schuster angefertigt, der Absatz und die Spitze waren mit Eisen beschlagen, die Sohlen mit Nägeln versehen, derbes Leder, das meist an der oberen Kante, so um die Knöchel, nicht ganz anlag und so war es eben nicht zu vermeiden, daß bei Arbeiten auf dem Feld die Schuhe bis obenan mit Erde gefüllt waren. Entschuldigt, daß ich ab und zu vom Thema abkomme, aber ich kann mir vorstellen, daß so manches für die Jüngere Generation unbegreiflich ist.

Nun geht es in der Waschküche weiter. Die Lauge, in die ich nun noch die Strümpfe tat, war ziemlich verbraucht, aber man hatte ja noch die Kernseife. Ein Strumpf wurde gut mit Seife eingeschmiert und fest gerubbelt, dann auf links gedreht und wieder ordentlich gerubbelt. Meist war es so, daß nach dieser Prozedur auch die Haut an den Händen hier und da durchgerubbelt war, das war halt so eine Begleiterscheinung, die zwar schmerzhaft, aber in ein paar Tagen vergessen war. Die Strümpfe wurden ausgewaschen möglichst im warmen Wasser, damit die Strümpfe nicht hart wurden. Nun war es soweit, ich hing die Buntwäsche und die Strümpfe zum Trocknen auf. Die Strümpfe schön paarweise, wie sie zusammen gehörten, überhaupt wurde beim Wäsche aufhängen auf Ordnung geachtet. Inzwischen war es Mittagszeit und die Kinder kamen aus der Schule. Meist wurde Sonntags so reichlich gekocht, daß Montags noch was zum Aufwärmen übrig war. Ich kann mich erinnern, daß es Sonntags so ziemlich immer das gleich gab: Suppe, Gemüse, Fleisch und Kartoffeln. Im Sommer frisches Gemüse aus dem Garten und im Winter sauer Gemüse aus dem Faß. Nach dem Essen übernahmen die Kinder die Hausarbeit, Geschirr spülen und was sonst noch liegengeblieben war, und machten ihre Hausaufgaben. Auf mich wartete andere Arbeit. Das Vieh forderte auch sein Recht, das hatten mir die Kühe lautstark zu verstehen gegeben.

Am späten Nachmittag machte ich mich mit dem Wäschekorb auf den Weg zur Bleiche. Aber o Schreck, ich sah es von weitem, da hatte sich eine Schar Gänse ausgerechnet meine Wäsche als Ruheplatz ausgesucht. Ich lief so schnell, wie ich konnte, ich schimpfte, aber die Viecher fühlten sich nicht angesprochen, bleiben ruhig sitzen und schnatterten leise vor sich hin. In meiner Aufregung warf ich meinen Korb nach ihnen. Da war natürlich was los, die ganze Gesellschaft fluchtartig mit furchtbarem Protest meinen schönen Bleichplatz. Ich stand nun da und betrachtete die Bescherung. Nicht nur ihre Füße hatten Spuren hinterlassen, o nein, überall waren handgroße Flecken, ihr könnt euch vorstellen, von was. Mir blieb nichts anderes übrig, ich sammelte die Wäsche in den Korb, lud ihn auf den Schubkarren, nahm meine Gießkanne und ging heimwärts. Ich versuchte in der Waschküche unter fließendem Wasser die gröbsten Flecken auszuwaschen, aber vergebens, die Flecken wurden nur noch größer. Es blieb mir nichts anderes übrig, eben die Wäsche noch mal zu kochen und am anderen Tag zu waschen, ich habe die Wäsche ausgewaschen und zum Trocknen aufgehängt.

Der Ärger vom Tag zuvor war ja vergessen. Ich war auf dem Weg zum Bleichplatz, da saß doch wieder die Schar Gänse genau auf dem Fleck wie am Tag zuvor. Es war ein Bild zum Malen, diese friedliche Idylle, die grüne Wiese mit Frühlingsblumen, die schneeweißen Gänse und es tat mir leid, daß ich sie am Tag zuvor so erschreckt hatte. Ich bin stehengeblieben und hab noch gedacht: Ist es nicht so, daß eine jede Kreatur Recht auf Lebensraum hat? Nur wir Menschen vergessen das zu oft.
 


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