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Weihnachten im Elternhaus

I Eine Geschichte von Minna Eichhorn


Nun wird die Stille uns umgeben,
es ist ein Glanz vorweihnachtlicher Zeit,
sie will uns Frieden spenden, reichen Segen,
ach, wär doch jedes Herz dafür bereit.

Adventszeit war in meinem Elternhaus eine ruhige Zeit; es gab damals keine Lichterketten, keinen Adventskranz, es war eine Zeit der Stille und eine Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Am Tag vor Heiligabend wurde ein kleines Christbäumchen geschmückt, mit weißen Perlen, Walnüssen, Zuckerplätzchen, die in ihrer Form besonders gut geraten waren und Wachskerzen. "Geschenke?" werdet ihr wohl fragen. Nein, unterm Bäumchen lagen besonders schöne Äpfel und Nüsse - nicht solche Päckchen, wie ihr sie heute kennt. In der Woche vor Weihnachten erreichte uns ein Päckchen von Hanau, welches erst am Heiligen Abend, wenn die Kerzen am Bäumchen brannten, geöffnet wurde. Mit unseren Verwandten in Hanau verband uns ein besonders herzliches Verhältnis, es war der Bruder meines Vaters mit Familie. In dem Päckchen befanden sich Raritäten, die wir ja hier auf dem Dorf nicht kannten. Für uns Kinder waren da meist Apfelsinen, Schokolade und für jedes ein paar Zuckersteine, für den Großvater ein Päckchen Tabak, für den Vater Zigarren und für die Mutter ein kleines Päckchen Kaffee und alles war sehr schön mit Liebe eingepackt. Und noch etwas, was mit besonderer Sorgfalt verpackt war: Eine Flasche Wein. Ich weiß noch sogar den Namen, der auf der Flasche stand. "Malaka", ein Rotwein war's. Es war alles - wie will ich es beschreiben - so was wie eine feierliche Handlung. Die Mutter holte Gläser und von diesem Wein wurde eingegossen. Der Großvater las den Brief, der auf dem Päckchen lag, vor, und zum Schluß sagte er: "Und wir wollen auch ihnen in Hanau ein gesegnetes Fest wünschen." Und dann wurde von dem Wein ein Schlückchen getrunken. Ich muß nun dazu schreiben: Mir hat das alles ein bißchen zu lange gedauert, weil der Großvater immer wieder mal nach der Uhr schaute, aber ich hab' es später erfahren. Für uns und unsere Lieben in Hanau war eine Zeit vereinbart, wo wir gemeinsam einander gedachten.

Meine Brüder und ich bekamen dicke Fausthandschuhe, der Großvater Pulswärmer, weil er immer über kalte Hände klagte, der Vater gestrickte Strümpfe und die Mutter ein warmes Kopftuch. Wir haben die altvertrauten Weihnachtslieder gesungen und auf dem Tisch standen Plätzchen; wir konnten nach Herzenslust essen. In der Zeit, wo wir Plätzchen gebacken hatten bis Weihnachten, hatte das Christkind ja alle weggeholt, nur ab und zu lagen mal eins oder zwei auf dem Nachtschränkchen, zum Zeichen, daß das Christkind nachgeschaut hat, ob die Kinder artig waren. Die Kerzen am Bäumchen wurden gelöscht; es waren ja noch zwei Feiertage, wo man sie noch anzünden wollte. Es waren ja so einfache, weiße Wachskerzen, die schnell abbrannten. Wir haben unsere selbst gebastelten Heimspiele herbeigeholt und damit die Abendzeit vertrieben. Wir hatten ja so keine komfortablen Sachen, wie ihr sie heute kennt. Ein Mühlspiel auf einem Pappkarton aufgemalt, weiße Hemdenknöpfe und dunkle Hosenknöpfe erfüllten ihren Zweck und wenn man aufgepaßt hat, konnte man den Gegenspieler schon beim Ansetzen festsetzen und das war mein Trick, aber ich glaube, mein Bruder hat mich auch manchmal absichtlich gewinnen lassen, weil ich nicht gut verlieren konnte. Auch ein aufgemaltes Halmaspiel haben wir sehr oft gespielt, da wurde allerdings der Verlierer mit einer Strafe belegt. Jeder bekam fünf Zinkeklümpchen und der Verlierer mußte eins abgeben, natürlich um zu gewinnen spielten wir mit Begeisterung. Die Eltern sahen meistens still dabei zu und beobachteten den Verlauf und wenn das Spiel zu Ende war, erteilten sie Ratschläge, welche Fehler der Verlierer gemacht hatte. Wir gingen zeitig zu Bett. Für den ersten Weihnachtstag war en Kirchgang geplant. Um 9 Uhr, wenn das Glöcklein läutete, machten wir uns auf den Weg zum Gottesdienst nach Weilmünster. Dann lag Schnee und so viele froh gestimmte Menschen waren unterwegs. Ich glaube, daß damals so ein Feiertag ganz anders empfunden wurde. Überhaupt - ein Sonn- oder Feiertag ohne Kirchgang war fast undenkbar. Der Sonntag war der Ruhetag, aber er war kein Tag, wo man vielleicht den ganzen Morgen verschlafen konnte, o nein, das Vieh hätte dafür überhaupt kein Verständnis gehabt, sie verlangten, ob es Sonntag oder Werktag war, zur selben Zeit ihr Futter. Aber Feldarbeit wurde nicht gemacht. Wenn die Arbeit im Stall getan war, wurde Kaffee getrunken, meistens bereitete die Mutter für die Mittagsmahlzeit noch etwas vor. Das Wetter spielte eigentlich überhaupt keine Rolle. Also, wie wir's heute manchmal als Entschuldigung hören - "es woar kaa Werrer" - so was gab's früher nicht. Entweder war Regenwetter, da nahm man einen Schirm; wenn's gestürmt und geschneit hat zog man halt eine Jacke und ein Tuch an und wenn's heiß war, haben wir halt geschwitzt, aber die Zeit wu es kaa Werrer gebe hoat, ich glaawe, die Zeit muß eich ganz sicher verschlafe hu.

Zurück zum ersten Weihnachtsfeiertag. Von Rohnstadt bis nach Weilmünster ist es eine Stunde Fußweg, wenn wir dann an der Kirche ankamen, war es gewöhnlich um die Zeit, daß die Glocken von der Kirche uns mit einem wunderbaren Geläut begrüßten. An einem Feiertag war die Kirche immer gut besucht. Es war wunderbar, wenn dann die Orgel spielte und es wurden die schönen, alten Weihnachtslieder mitgesungen. Wir Kinder kannten wohl die Weihnachtsgeschichte, aber wenn unser guter alter Pfarrer Auler von der wunderschönen Kanzel, die ja in der Weilmünsterer Kirche steht, über die Weihnachtsbotschaft sprach, dann war in der vollbesetzten Kirche feierliche Stille. Neben der Kanzel stand ein großer Christbaum, an dem unzählige Kerzen brannten. Der Ablauf des Gottesdienstes war so wie auch heute. Nach dem Gebet und dem Segen wurden wir mit dem Orgelspiel aus der Kirche begleitet und wir begaben uns gemeinsam auf den Heimweg. Nach dem Mittagessen durfte ich zu meinen Paten gehen und das Christkindchen holen. Die Mutter gab mir ein Tüchlein in die Hand, es war jedes Jahr dasselbe, es hatte ja auch einen besonderen Namen: "Geschenktüchlein". Es hatte die Größe wie ein Herrentaschentuch. Mit den üblichen Ermahnungen, so wie: "Vergiß nicht ‚Guten Tag' zu sagen und artig die Hand zu geben und ‚Danke' zu sagen", noch einen Blick, ob die Schleifchen in meinen Zöpfen schön akkurat saßen, war ich dann entlassen. Ja, die Mutter ist es, die genau das Wesen ihrer Kinder kennt und meine Mutter wußte, daß ich mit meinen Gedanken oft nicht bei der Sache war und sie hat mit Ermahnungen nicht gespart. Drei Paten wohnten im Dorf und in jedem Haus war ein kleines, schönes Weihnachtsbäumchen, und ich hab - obwohl zwei Paten keine nahen Verwandten waren - liebe, frohe Menschen angetroffen, die auch sonst mir mit besonderer Liebe und Herzlichkeit zugetan waren, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Ich hab es später so gesehen, ihnen war der Sinn einer Patenschaft bewußt. Nun muß ich aber doch noch schreiben, welche Überraschungen ich in meinem Geschenktüchlein heim getragen habe: Plätzchen, Äpfel, Nüsse, zwei wunderschöne Taschentücher, 1 Stück rotes Seidenband für Haarschleifchen und ein kleines Büchlein, ein Büchlein, in dem die Geschichte von einem Kind stand, welches sich im Wald verirrt hatte; die böse Stiefmutter hatte es zum Holzsammeln in den Wald geschickt und es hatte nicht mehr nach Hause gefunden. Es ist dann unter einem Tannenbäumchen eingeschlafen und ein Traum hat es zu seiner lieben Mutter, die gestorben war, begleitet. Dieses Büchlein habe ich in Ehren gehalten und ich hab diese Geschichte noch meinen Kindern vorgelesen. Meine lieben Paten, sie sind uns ja schon lange voraus gegangen. Aber in der Weihnachtszeit werden Erinnerungen wach, dann sind es die Kinderjahre, Feiertage im Elternhaus; Adventszeit war eine ruhige Zeit, da hat eben das, was heute ja der Fortschritt so mit sich bringt, überhaupt noch keinen Platz gehabt und ich finde, daß all die bunten Lichterketten, all die all die geschmückten Weihnachtsbäume, wochenlang das Rennen und Suchen nach passenden Weihnachtsgeschenken in ohnehin schon überfüllten Kaufhäusern dem eigentlichen Fest doch beinahe und überhaupt den Sinn und den stillen Glanz genommen hat. 

Weihnachtswunsch

Ach, bliebe doch ein wenig Traulichkeit
Vom Weihnachtsfest und Frieden ganz der Welt erhalten
Ach, lenke er die Menschen unsrer Zeit
Zum Guten nur und zum gerechten Walten

Ach, bliebe doch der Glanz der heiligen Nacht
Bei allen Völkern wie ein stummes Mahnen
Es würde weit mehr Gutes dann vollbracht
Und vieles lief in friedlicheren Bahnen

Ach, daß doch von des Kindleins großer Liebe
Das einst im Stalle in der Krippe lag
In jedem Herzen ein Fünkchen haften bliebe
Dann wäre sicher heller mancher Tag

So wollen wir die Weihnacht still begehen
Den Wunsch im Herzen: Friede überall
Der Stern von Bethlehem soll schützend stehen
Auch über deinem Haus und deinem Hall

von E. Kühnemann

 


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