Pflanzenwelt in Langenbach +++ Rosskastanie

Langenbach im Taunus

Startseite
...Kalender, Nachrichten

Langenbach
...Ort, DSL, Infos, Statistik

Geschichte
...von der Urzeit bis heute

Kirche
...Gottesdienst, Pfarrer

Brauchtum
...Rezepte, Lieder, Platt

Dorf-Uznamen
...in Hessen und Thüringen

Erzählungen
...Geschichten, Gedichte

Impressionen
...Dorf-, Natur-, Luftbilder

Fotogalerien
...Vereine, Feste, Feiern

Pflanzenwelt

Autor Sven Dienstbach

Wildkräuter & -gräser
Acker-Winde
Blutweiderich
Breitwegerich
Buschwindröschen
Dornige Hauhechel
Echte Nelkenwurz
Echtes Labkraut
Gänseblümchen
Gänsefingerkraut
Gemeiner Rainfarn
Gemeine Wegwarte
Gewöhnl. Natternkopf
Gewöhnliches Leinkraut
Gewöhnliche Zaunwinde
Kleines Springkraut
Mittlerer Wegerich
Scharbockskraut
Schmb. Weidenröschen
Vielblättrige Lupine
Weißer Steinklee
Weiße Taubnessel
Wiesen-Löwenzahn


Bäume und Sträucher
Rosskastanie


Fauna
...Tierwelt in Langenbach

Vereine
...Langenbacher Ortsvereine

Firmen
...Örtliche Unternehmen

Einrichtungen
...DGH, Feuerwehrhaus, etc.




Langenbach bei Weilmünster - die Perle im Naturpark Hochtaunus 

Langenbach                          
Flora - Einheimische Pflanzen

Marktplatz

Forum

Links

Kontakt

Sitemap

Veranstaltungen

Gästebuch

Anschriften

Newsletter

Impressum

Gewöhnliche Rosskastanie     (Aésculus hippocástanum)

Sven Dienstbach

Systematik:

Steckbrief:

Zeigerwerte: (info)

Abteilung:
Spermatophyta (Samenpflanzen)
Unterabteilung:
Angiospermae (Bedecktsamige Pflanzen)
Klasse:
Dicotyledoneae (Zweikeimblättrige Pflanzen)
Unterklasse:
Rosidae (Rosenähnliche)
Ordnung:
Sapindales
(Seifenbaumartige Pflanzen)
Familie:
Sapindaceae (Seifenbaumgewächse)
Unterfamilie:
Hippocastanoideae (Rosskastaniengewächse)
Gattung:
Aesculus (Rosskastanie)

Name (dt.): Gewöhnliche Rosskastanie
andere Namen (dt.): Weiße Rosskastanie,
       Europäische Rosskastanie,
       Balkan-Rosskastanie
Name (lt.): Aésculus hippocástanum
andere Namen (lat.): -
Familie (dt.): Seifenbaumgewächse
     (alt: Rosskastaniengewächse)
Familie (lat.): Sapindáceae
    
(alt: Hippocástanaceae)
Blütezeit: April-Mai
Größe: 15 - 25 (selten 30) m
Giftig: ja (v. a. Triterpensaponine)
Geschützt: -
auf Roter Liste: nein
Verwendung: Zierbaum, Färbepflanze, Heilpflanze, technische Nutzung

 
Lichtzahl: 5
Temperaturzahl: 5
Kontinentalitätszahl: 2
Feuchtezahl: 5
Reaktionszahl: 5
Stickstoffzahl: 5
Salzzahl: 0
 


 

Bilder:
(zum Vergrößern bitte anklicken)

 

Gesamtansicht (klicken zum Vergrößern)
Dolde (klicken zum Vergrößern)
Blüte (klicken zum Vergrößern) Knospe (klicken zum Vergrößern) Knospe, geöffnet (klicken zum Vergrößern)
Blatt (klicken zum Vergrößern)
Frucht (klicken zum Vergrößern)
Rinde (klicken zum Vergrößern)

 

 

Erkennungsmerkmale:
 
Die ungefurschten Blattstiele der Fiederblätter sind bis zu 20 cm lang. Meist findet man 7 Fieder pro Blatt, welche zwischen 10 und 25 cm lang sind, am längsten ist dabei immer die mittelste Fieder. Sie besitzen keinen weiteren eigenen Stiel (sitzend) und sind länglich bis verkehrt-eiförmig geformt. Am breitesten sind sie meist im oberen Drittel und enden plötzlich kurz zugespitzt. Der Rand der Fieder ist einfach gesägt, im oberen Teil sogar oft doppelt gesägt oder buchtig gelappt. Auf der Oberseite sind sie dunkelgrün gefärbt, die Unterseite hingegen ist heller und  auf den Blattnerven sind Haare zu finden. Die Blattstellung ist gegenständig, im Herbst verfärben sich die Blätter gelb. Mit ihren gefingerten Blättern unterscheidet sich die Gewöhnliche Rosskastanie von allen anderen einheimischen Bäumen.


Beschreibung:

Der endständige, große, rispige und aufrecht stehende Blütenstand mit rostroten und behaarten Achsen ist zwischen 20 und 30 cm lang und trägt meist mehr als 100 Einzelblüten, teilweise sogar bis 300 Einzelblüten. Diese haben zu Anfang einen Durchmesser von 15 bis 20 mm, am Ende bis 25 mm. Sie weisen eine zygomorphe Symmetrie auf. Der Blütenkelch ist kurzglockig und 5-zipflig, die 5 weißen Blütenkronblätter sind zwischen 1 und 1,5 cm lang und weisen einen welligen und bewimperten Rand auf. Dabei sind die beiden oberen Blütenkronblätter etwas größer als die beiden Unteren, das unterste Kronblatt fehlt sogar manchmal. Am Grund der weißen Blüten findet man gelbe, später rot gefärbte Saftmale. Innerhalb der Blüte sind in der Regel 7 Staubblätter zu finden, welche deutlich länger als die Blütenkronblätter und aufwärts gebogen sind. Der oberständige Fruchtknoten schließlich ist mit einfachen und drüsigen Haaren besetzt. Die Blütenformel lautet: öK (5) C5 A3:2° + 5 G(3). Aus den Blüten entstehen die bekannten glänzend-braunen Kastanien, welche einen Durchmesser von 2 bis 4 cm erreichen. Am Nabelfleck sind sie matt und graubraun gefärbt. Die rundlichen Früchte (also Kastanie plus umgebende Schale) können im Durchmesser 5 bis 6 cm erreichen, die Schale ist durch Emergenzen derb bestachelt. Diese Früchte sind 3-klappige, fachspaltige und fleischige Kapseln, die meist einen (selten auch 3) Samen tragen. Die Kastanien reifen von etwa September bis Oktober.

Die Blühreife erlangt die sommergrüne Rosskastanie im Alter von 10 bis 15 Jahren, die Lebensdauer wird mit bis zu 200 Jahren angegeben, was für einen Baum als kurzlebig gilt. Die Blüte beginnt meist im April oder Mai während oder kurz nach dem Austrieb und somit zu Beginn des Vollfrühlings. Meist weist sie einen geraden kurzen Stamm auf und eine kugelige, dicht verzweigte Krone mit überhängenden Zweigen auf. Die Äste sind meist dichasial (gabelartig) verzweigt, die Zweige sind gelblich-rotbraun und anfangs braunfilzig, deutlich sind an ihnen die zahlreichen und auffälligen Korkwarzen zu erkennen . Die Rinde ist rotbraun bis dunkel graubraun gefärbt und löst sich in Streifen und Platten ab. Der Stamm weist außerdem manchmal einen rechtsdrehwuchs auf, das Holz ist weich und zeigt deutliche Jahresringe. Bei einer Höhe von 15 bis 20 m , (selten auch 25 bis 30 m) kann der Stammdurchmesser bis zu 100 cm betragen. Nach dem Abwerfen des Laubes bleiben an den Zweigen hufeisenförmige Narben zurück. Die Leitbündel-Narben sind in diesen als Punkte zu erkennen. Im Winter ist die Rosskastanie sehr gut an ihren großen, eiförmigen, dunkelbraunen und klebrigen Winterknospen zu erkennen, wobei die Endknospen mit bis zu 3,5 cm Länge deutlich größer sind als die Seitenknospen. Die Rosskastanie ist ein Flachwurzler mit einem meist gut ausgebildeten Wurzelsystem, die anfangs gebildete Pfahlwurzel bildet sich zurück, die Wurzeln selbst gehen eine Symbiose mit Pilzen ein (endotrophe Mykorrhiza).


Standort:
 
Die Gewöhnliche Rosskastanie liebt frische und nährstoffreiche, tiefgründige Sand- und Lehmböden. Oft wird sie als Park- oder Straßenbaum (allerdings Streusalzempfindlich) angepflanzt, jedoch mittlerweile auch forstlich verwendet und auch gelegentlich verwildert. Zu finden ist die Gewöhnliche Rosskastanie daher als Zierbaum, als Park- und Alleebaum, und seltener auch in Wäldern. In Nord-Tirol ist sie bis in eine Höhe von etwa 1210 m zu finden. Die Rosskastanie gilt als häufig (dabei meist kultiviert, gelegentlich verwildert).


Verbreitung und Schutz:
 
In den folgenden Gebieten ist die Pflanze zu finden: nördliches Alpenvorland, Süddeutsches Schichtstufenland, zentraleuropäische Mittelgebirgsschwelle, norddeutsches Flachland. Die Gewöhnliche Rosskastanie ist ein Neophyt, also ursprünglich nicht bei uns heimisch und erst in der Neuzeit (nach 1500 n. Chr.) bei uns eingebürgert worden. Die ursprüngliche Heimat ist die Balkan-Halbinsel, wobei allerdings auch dort die Verbreitung sehr zerklüftet ist, mit Einzelvorkommen in Griechenland, Albanien und Mazedonien, man findet sie aber auch in Bulgarien. Mittlerweile hat sie als Zierbaum eine größere Verbreitung gefunden und ist z.B. auch in Polen, Österreich, der Schweiz und der Tschechischen Republik zu finden. Aufgrund der Verwendung als Zierbaum findet man die Rosskastanie bei uns vorwiegend in Städten, sie wird daher als mäßig urbanophil eingestuft.

Die Rosskastanie ist weder durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) noch durch die FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) geschützt, weiterhin ist sie nicht durch die Berner Konvention erfasst oder durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (in der EU über die CITES-Verordnung umgesetzt) geschützt. Sie gilt bei uns als ungefährdet und ist daher weder in der Roten Liste von Hessen noch in der Roten Liste der BRD als gefährdet eingestuft


Wissenswertes:
 
Bezüglich der Lebensform wird die Gewöhnliche Rosskastanie zu den Phanerophyten (Bäume und Sträucher über 2 m) gezählt. Wie bereits erwähnt, ist sie ein Neophyt und somit ursprünglich nicht bei uns heimisch. 1561 wurde sie von Konstantinopel aus nach Europa eingeführt und 1676 erstmals beschrieben. Aufgrund der Verbreitung durch die Türken vermutete man zuerst, dass sie in der Türkei beheimatet sei. Mittlerweile ist jedoch klar, dass sie aus südosteuropäischen und kleinasiatischen Schluchtwäldern stammt. 1576 gelangten Samen nach Wien, 1612 nach England, 1615 nach Frankreich (wo sie zum Lieblingsbaum des Sonnenkönigs Ludwig XIV wurde) und 1633 in die Niederlande. Erst 1879 wurden natürliche Bestände in Nordgriechenland und sogar noch später, 1907, in Bulgarien entdeckt. Mittlerweile ist dieser Baum in ganz Europa verbreitet. Die gesamte Gattung umfasst 13 Arten, in Europa kommt natürlicherweise nur die Gewöhnliche Rosskastanie vor. Mittlerweile findet man aber viele Kreuzungen vor allem mit der Art Aésculus pávia (Echte Pavie) aus Nordamerika, die entstehenden Bastarde haben rosa bis rötlich gefärbte Blüten und sind somit sehr leicht von der europäischen Rosskastanie zu unterscheiden. Die Aussage, dass die Rosskastanie bei uns nicht heimisch ist, ist allerdings mit einem kleinen Hinweis zu versehen: Vor der Eiszeit war sie eben nicht nur auf dem Balkan verbreitet. Wie viele andere Pflanzen auch wurde sie durch die vorrückenden Eismassen jedoch immer weiter zurückgedrängt und fand dann in den wärmeren eisfreien Balkangebieten die letzte Zuflucht. Dort haben übrigens auch viele andere Pflanzen die Eiszeit überlebt, die vormals deutlich weiter verbreitet waren. Nach dem Rückgang des Eises konnten diese dann damit beginnen, sich wieder weiter auszubreiten, sofern sich ihnen keine anderen natürlichen Barrieren in den Weg stellten (z.B. die Alpen). Dass die Gewöhnliche Rosskastanie bei uns durchaus heimisch werden könnte, zeigt unter anderem ihre völlige Winterhärte in Mitteleuropa.

Die Blüten werden zu den Lippenblumen gerechnet und sind meist trimonözisch. Dabei sind die oberen Blüten meist ausschließlich männlich (Fruchtknoten und Griffel sind verkümmert), im mittleren Teil findet man neben männlichen Blüten einige zwittrige Blüten. Diese sind proterogyn (vorweiblich), das bedeutet die weiblichen Blütenorgane reifen vor den männlichen Blütenorganen. Die unteren Blüten weisen zwar sowohl männliche als auch weibliche Blütenorgane auf, funktionell sind sie aber weiblich, da die in den Staubblättern entstehenden Pollen nicht keimfähig sind. Sie unterscheiden sich von den zwittrigen Blüten durch einen aufgeschlitzten, zurückgebogenen Kelch. Insgesamt überwiegen die männlichen Blüten, obwohl die Geschlechterverteilung von Baum zu Baum unterschiedlich sein kann. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, vor allem Bienen und Hummeln. Dabei dient der vorgestreckte Griffel in der weiblichen Phase der Zwitterblüten als Anflugplatz und ist in dieser Phase empfängnisfähig (und weist eine nach oben gebogene Narbe auf). Die Staubblätter sind dabei nach unten gekrümmt. Bei Eintritt in die männliche Phase der Zwitterblüten werden dann aber die Filamente vorgestreckt und dienen als Landeplatz. Bei den funktionell weiblichen Blüten bleiben die Staubblätter nach unten gekrümmt. Belohnt werden die Insekten durch einen sehr zuckerreichen (bis 70%) Nektar. Dieser wird in den Blüten aber nur solange gebildet, wie die Saftmale noch gelb gefärbt sind. Sobald sie sich von gelb über orange bis zuletzt karminrot verfärbt haben, stoppt die Nektarproduktion an diesen Blüten. Zusätzlich zum Nektar bieten die Blüten auch eine sehr große Menge an Pollen, bis zu 26.000 pro Staubblatt (das macht pro Blütenstand bis zu 42 Millionen Pollenkörner). Dies ist auch im Vergleich mit anderen Blütenpflanzen eine sehr hohe Anzahl. Würden nun alle Blüten befruchtet, würde der Baum unter der Last der Samen (bis zu 10 t) zusammenbrechen, daher werden überzählige Früchte bereits frühzeitig abgeworfen. Die Ausbreitung der Samen erfolgt sowohl hemerochor (in Kulturfolge über den Menschen) als auch barochor (durch das Eigengewicht der Samen). Letzteres kommt darin zum Ausdruck, dass Kastanien als typische Fallfrüchte bezeichnet werden können. Sie fallen aufgrund ihres großen Gewichts schnell zu Boden. Die umgebende Schale zusammen mit den Stacheln dämpft den Aufprall und bricht dabei auf. Die entlassenen Kastanien rollen dann aufgrund ihrer glatten Oberfläche weiter und verteilen sich so. Die Keimung erfolgt allerdings nur bei Bedeckung mit Laub und Erde gut, da nur in feuchtem Milieu ein Abbau der eingelagerten, keimungshemmenden Stoffe erfolgt. So verwundert es nicht, dass die Verbreitung durch Nagetiere gefördert wird, welche die Früchte als Wintervorrat verstecken und anschließend "vergessen". Kastanien trocknen relativ schnell aus und verlieren ihre Keimfähigkeit bereits nach 6 bis 7 Monaten.

Als Inhaltsstoffe findet man in den Samen zwischen 30 und 60 % Stärke, 6 % reduzierende Zucker, 2 - 7 % Öl, 7 - 11 % Eiweiß und 3 - 4 % Mineralstoffe. Außerdem enthalten sie 2 - 10 % Aescin, sowei Flavonglykoside, Proanthocyanidine und Catechingerbstoffe. Das Aescin (auch Escin genannt) ist ein komplexes Gemisch aus mehr als 30 verschiedenen Saponinen, wobei der Hauptteil (ca. 40%) aus ß-Aescin besteht. Dieses wiederum ist ebenfalls ein Gemisch, welches zu über 60 % aus den fünf Triterpen-Sapogeninen Aescin Ia, Ib, IIa, IIb und IIIa besteht. Giftig ist die Kastanie vor allem aufgrund dieser Triterpen-Saponine, aber auch Cumarin-Glykoside (Aesculin, Aesculetin), Flavonole (Quercetin) und Protoanthocyanidine (kondensierte Tannine) tragen dazu bei. Zusammen bewirken sie eine Schleimhautreizung, bei Aufnahme größerer Mengen Aescin kommt es zur Hämolyse. Die Vergiftungssymptome sind: Angst, Unruhe, Erbrechen, Kolik, Durchfall, erweiterte Pupillen, Bewusstseinsstörungen, Muskelzuckungen und in schweren Fällen Koma und Tod. Das Gift ist in allen Pflanzenteilen, jedoch vor allem in den unreifen Früchten, enthalten. Die bitteren Kastanien sind für den Menschen nicht genießbar, werden aber gerne als Tierfutter genutzt. In schlechten Zeiten wurden die Kastanien jedoch speziell behandelt und dann zu Mehl vermahlen und verwendet. Die klebrigen Knospen dienen der Pflanze vor allem zur Abwehr von Schadinsekten.



Durch Krankheiten ist die Kastanie kaum gefährdet, jedoch macht seit kurzem die Rosskastanien-Miniermotte den Bäumen zu schaffen. In Europa wurde sie erstmals 1984 beobachtet, 1989 trat sie in Österreich auf und seitdem verbreitet sie sich mit großer Geschwindigkeit (100 km pro Jahr). Die Larben dieser Motte fressen Gänge im Inneren der Blätter, diese verfärben sich an diesen Stellen erst hell und werden dann gelb und später braun. Bei starkem Befall über mehrere Jahre können ältere Bäume dadurch sogar absterben. Bekämpfungsmittel sind derzeit noch nicht ausreichend erprobt und auch nicht zugelassen. Der bisher einzig wirksame Schutz besteht darin, das Herbstlaub zu entfernen und zu verbrennen. Zwar ist der wirtschaftliche Schaden gering, da die Rosskastanie keine große forstbauliche Bedeutung hat, jedoch ist sie als Parkbaum sehr beliebt, und ein verfrühter Blattfall und verfärbte Blätter passen nun mal nicht wirklich zu einem Parkbaum. Die zunehmende Schädigung der Rosskastanie war auch der Grund, warum sie 2005 zum Baum des Jahres gekürt wurde. Man erhoffte sich durch die erhöhte Aufmerksamkeit schnellere Fortschritte in der Bekämpfung der Miniermotte. Diese Bekämpfung wird aber gerade von Naturschützern kritisch gesehen, da sie die Rosskastanie nicht als einheimische und somit schützenswerte Art ansehen. 2008 wurde die Rosskastanie außerdem zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Der Name "Aésculus" kommt aus dem lateinischen und ist die Bezeichnung für eine alte Pflanzenart, eine dem Jupiter heilige und auf Bergen wachsende Eichenart. Der Artname "hippocástanum" setzt sich zusammen aus "hippos" (greich. Pferd) und "kastanon" (Esskastanie), was sich auf die esskastanienähnlichen Samen bezieht, die jedoch nicht von menschen, sondern von Pferden gefressen werden. Dies geht darauf zurück, dass die Osmanen sie als Pferdefutter verwendeten und vor allem als Pferdearznei (bei Pferdehusten). Auch die deutschen Namen weisen auf diesen Umstand hin.


Nutzung:

Beliebt sind die Samen dieses Baumes vor allem bei Kindern zum Basteln, oder sie werden an die Jagdpächter oder den Tiergarten verkauft, wo sie als Tierfutter beliebt sind. Oft scheint es aber auch einfach nur Spaß zu machen, sie vom Baum mit Ästen, Steinen oder ähnlichem einfach nur herunterzubekommen. Mit den Blättern kann man außerdem Wolle gelb färben, mit der Rinde auch rotgelb.

Auch heute noch gilt die Rosskastanie als Heilpflanze. Aus den Samen, der Rinde, den Blättern und den Blüten werden biologisch wirksame Stoffe extrahiert. Sie wirken gefäßverstärkend, antikoagulierend und entzündungshemmend. Rosskastaniensalbe wird beispielsweise zur Behandlung von Venenleiden (Krampfadern) verwendet. Eine andere Art der Anwendung ist die täglich mehrfache Einnahme einer Messerspitze Kastanienpulver nach dem Essen, was zu flüssigerem Blut führen soll und somit gegen Hämorrhoiden wirken soll sowie zur Gefäßentkrampfung. Die Rosskastanienblätter gelten in der Volksmedizin als Hustenmittel, eine echte Wirkung konnte bisher aber nicht bewiesen werden.

Das Holz der Rosskastanie ist weich, relativ leicht und bricht leicht, auch der Brennwert ist nicht besonders hoch. Außerdem ist es nicht sehr dauerhaft. Es findet daher nur begrenzt Verwendung, beispielsweise als Furnierholz in der Möbelfabrikation, als Schnitzholz oder für orthopädische Geräte. Außerdem wird es als Verpackungsmaterial oder in der Brandmalerei verwendet. Die Holzkohle eignet sich außerdem zur Herstellung von Schießpulver. Außerdem werden aus der Rosskastanie Saponine gewonnen, welche zur Herstellung von kosmetischen Produkten, Farben und Schäumen verwendet werden. Aus dem Stärkemehl der Samen kann außerdem durch Gärung Alkohol und Milchsäure gewonnen werden, die Öle werden zu Seifenpulver verarbeitet.

Die wichtigste Nutzung der Kastanie allerdings besteht in ihrer Verwendung als Zierbaum in Parks, Alleen, Biergärten und Spielplätzen. Dort dient sie meist als Schattenspender und ist auch heute noch sehr beliebt bei Neupflanzungen. Und sie stellt eine ausgezeichnete Bienenweide dar.


(Sven Dienstbach)       


(c) 2008 Heimat- und Geschichtsverein, 35789-Weilmünster-Langenbach

Designed and produced by Caspari - Webservice, Eventservice und Musikdienstleistungen