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Die Jahreszeiten

I Eine Geschichte von Minna Eichhorn


Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Über dieses Thema gibt es ja viel zu erzählen, berühmte Dichter brachten Lieder und Gedichte nach ihren Empfindungen zu Papier, es können nur naturverbundene Menschen gewesen sein, welche diese schönen Verse schrieben.

Ich glaube, daß ich nun, bevor ich beginne, doch die Zeit zurückdrehen muß, zu der Zeit, wo wir diesen Wechsel der Jahreszeiten hautnah in der Natur erlebten. Irgendwie hat sich das Klima in den letzten Jahren geändert und ich möchte es so schreiben, die Jahreszeiten gehen fast nahtlos ineinander über. Vielleicht empfinde ich es nur so, weil sich doch im Leben der Landbevölkerung vieles geändert hat. Die Arbeiten auf dem Feld werden nur noch von einzelnen Bauern mit großen Maschinen erledigt, früher war es so, bei Frühlingsbeginn bis Ende Herbst haben wir auf dem Feld gearbeitet. Durch die Konsultation gibt es ja nicht mehr die Kleinbauern, die als Nebenerwerb ihr Land bebauten und für viele war es doch die Lebensgrundlage.
Ich möchte nun schreiben, wie es früher war. Ich kann mich nicht erinnern, daß es einmal einen Winter ohne Schnee und Frost gegeben hat. Ende November fiel meistens der erste Schnee, der liegenblieb. Die Bauernregel hatte oft recht, die sagte: "Fangen die Tage an zu langen, kommt der Winter gegangen". Das heißt, nach der Wintersonnenwende nach Weihnachten mußte mit zunehmenden Frost gerechnet werden. Das traf oft zu und eine wunderbare Winterlandschaft, klirrender Frost und ein sternklarer Himmel begleitete ins neue Jahr. Ich möchte ab und zu ein passendes Gedicht mit einflechten.

O wunderbare Pracht der weißen Stille
gleichst eines Herzens friedvollen Schlag
aus deines Schweigens innerlicher Fülle
schenkst du uns einst den Auferstehungstag

Oftmals lag im März noch an manchen Stellen Schnee, der nicht dem Frühling, der seine warmen Sonnenstrahlen schickte, weichen wollte. Die Vögel, unsere lieben kleinen Sänger, sie begrüßten die Sonne am Morgen mit einem Lied. Die Amsel auf dem Dach des Nachbarhauses bemühte sich, alle anderen zu übertreffen und in ihrem Eifer überschlug sich manchmal ihre Stimme. Im Garten, wo am Tag zuvor noch Schnee lag, kamen ein paar grüne Zweiglein zum Vorschein mit gelben Blüten, Winterlinge waren es, daneben ein paar Schneeglöckchen und Krokusse. Auf der angrenzenden Wiese blühten die Gänseblümchen, sie wollten auch bei den Ernten sein, um den Frühling zu begrüßen. Auch im Hof machte sich der Frühling bemerkbar. Die Hühner verließen mit einem lustigen Gegacker ihren Stall und der stolze Gockel stand auf dem Mist und gab wieder die Wettervorhersage bekannt. Frühlingserwachen, so möchte ich es nennen, ein Wunder der Natur.

Frühlingswehen, Auferstehen!

Und immer wieder prangt es neu im Garten
im Wechsel zwischen Farbenspiel und Zeit.
Ein jeder Tag läßt Neues uns erwarten
noch ungezählte Knospen sind bereit.

O Wunder der Natur in reicher Fülle
du gibst dich uns in Selbstverständlichkeit.
Doch über alles breitest du die Hülle
geheimen Werdens über Raum und Zeit.

Die warmen Sonnenstrahlen nahmen die Feuchtigkeit von der Schneeschmelze auf und wir machten uns bereit, um unsere Äcker zur Neubestellung vorzubereiten. Der Hafer wurde nun gesät und auf den Acker, der übers Jahr als Grünfutter gedacht war, da mußte der Kleesamen mitgesät werden. Auf die Äcker, die mit Kartoffeln und Dickwurz bepflanzt werden sollten, wurde nun der Mist, der über Winter zu einem großen Berg angewachsen war, gefahren. Der Garten wurde vorbereitet und besät, die Wiesen mußten saubergemacht werden. Der Wagen wurde umgestellt und die Jauchegrube leergefahren, ja, ich möchte es noch betonen, Mist und Jauche ist für Humusbildung unentbehrlich und nur so wird dem Boden, was ihm entnommen wird, zurückgegeben. Zu den Wiesen war nun inzwischen nicht nur Gras gewachsen, alles, wo man hinsah, war ein bunter Blumenteppich, gelb und weiß und rot und blau. Bienchen, Hummeln und Schmetterlinge holten auf den Blüten ihre Nahrung. Es sind die Blüten von dem Löwenzahn, die in Überzahl sind und wenn man einmal so eine Blume genau betrachtet, muß man sagen, sie kann mit ihrer Form und Farbe mit jeder edlen Gartenblume mithalten. Ob sich die jüngeren Generationen auch noch Zeit zu solchen Betrachtungen nehmen? Am Waldrand blühten unter den Bäumen die schönen Buschwindröschen und ganz versteckt ein paar Veilchen und über all dem stand ein Weidenkätzchenstrauch in voller Pracht.

Ein Bild des Friedens schenkt sich meinen Blicken
man spürt des Frühlings feierlichen Hauch
und ferne Glocken ihre Grüße schicken
das weite Tal nimmt ihre Klänge auf.
Wie traumhaft ist des frühen Morgens Stille
Das Grünen, Blühen und des Frühlings Fülle

Die Tage waren wohl mit Arbeit ausgefüllt, aber alles, was zu tun war, wurde mit Freude getan und am Abend war noch so viel Zeit, um mit Nachbarn gemeinsam eine kleine Unterhaltung zu pflegen. Es wurde nun über die bevorstehenden Arbeiten gesprochen, über die Sorten Kartoffel, die für die Aussaat sich wohl am besten eigneten, es wurde von neuen Backrezepten gesprochen und was sonst noch Neues im Dorf passiert war, ja, so war es damals, ein schönes, familiäres Zusammenleben. Nach einem herzlichen Gute-Nacht-Gruß wurde noch mal im Stall nachgeschaut, ob alles in Ordnung war, dann begab man sich zur Ruhe. Für den nächsten Tag waren die Arbeiten schon eingeteilt. Distel stechen im Korn und an einem Acker mußte Hederich, ein böses Unkraut, gerupft werden. Diese Arbeiten gibt es ja heute nicht mehr. Ende April wurden die Kartoffeln gesetzt und Mitte Mai bei günstigem Wetter die Dickwurz gepflanzt und nun konnte der Garten, nachdem die Dickwurzpflanzen auf dem Acker waren, neu angepflanzt werden, mit Bohnen, Salat, Gemüse und was alles über den Sommer gebraucht wurde. Mittlerweile standen nun die Obstbäume in voller Blüte. Die Eisheiligen im Mai verliefen einigermaßen günstig und so durfte man auf eine gute Obsternte hoffen.

Im Mai gab es nun allerlei zu tun, die Kartoffeln waren aufgegangen und standen schön in Reihen, sie wurden gehackt und gehäufelt, auch auf dem Dickwurzacker und im Garten gab es Arbeit, denn wir standen vor der Heuernte, die bei gutem Wetter so um den 10. Juni begann und nach dem Kalender ist am 15. Juni Sommeranfang und wir hofften auf ein paar heiße Sommertage, ein leichter Regen zwischendurch war auch nicht zu verachten. Denn die alten Leute sagten dann: "Es regnet Hafer und Heu". Wenn diese Zeit ganz ohne Regen vorbeiging, dann war meist die Haferernte nicht gut. Es gibt ja so manche alte Bauernregeln, die früher auch Beachtung fanden. Zum Beispiel: "Im April ein Rabe, im Mai ein Knabe soll sich im Korn verstecken können". Es war gut, wenn sich in dieser Zeit ein kräftiger Halm entwickeln konnte, denn nur ein gesunder Halm kann eine gute Ähre bilden.

Nun fällt mir eine Legende ein: Ein Bauer war nie mit dem Wetter zufrieden. Regnete es, war er am Schimpfen und wenn die Sonne recht heiß schien, war er auch nicht zufrieden und so kam es, daß er den Auftrag hatte, das Wetter nach seinen Wünschen zu machen. Tagsüber schien nun die Sonne und Nachts gab's ab und zu einen Regenschauer und die Saat auf dem Feld gedieh wunderbar, aber als er ernten wollte, stellte er fest, daß die Ähren Laub waren, es hatten sich keine Körner gebildet. Und was, meint ihr nun, war schuld daran? Der Bauer hatte ja den Wind vergessen. In der Zeit, wo das Korn blühte, trägt der Wind den Blütenstaub übers Feld und so werden die Ähren befruchtet. Ich hab es einmal beobachtet, daß zur Zeit der Kornblüte der Wind kleine Staubwölkchen übers Feld trieb. Es ist wohl so, die Zeitspanne zwischen Aussaat und Ernte liegt nicht in unserer Hand. Und das hat und der große Dichter Matthias Claudius so schön mit dem Lied "Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand, der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf", geschrieben. Ich finde, alles ist von der Schöpfung weißlich eingerichtet.

Ach ja, bei der Heuernte war ich nun stehengeblieben. Für uns und ich glaube auch für unsere Vorfahren war eine gute Heuernte von großer Bedeutung, es war ja die Grundlage für die Viehfütterung über den Winter. Wir besaßen ja keine Maschinen und das Gras wurde mit der Sense gemäht. Es war gut, wenn man vorbereitet war, vor allem mußte die Sense gut gedengelt sein. Ein schmaler Gürtel wurde umgebunden und das Schlockerfaß mit etwas Wasser und dem Wetzstein wurde eingehängt und mit frohem Mut ging es an die Arbeit. In dem Wiesengrund gab es ja keine Wege und man war bedacht, einen Streifen freizumähen, der als Weg benutzt wurde. So nach und nach trafen auch die Anlieger ein, ein freundlicher Gruß, ein paar nette Worte, obwohl das Tal dann mit fleißigen Menschen bevölkert war, hörte man nur, wenn hier und da der Wetzstein zum Schärfen über die Sense gezogen wurde. Wenn das Abendglöcklein läutete, sah man, daß hier und da doch ein paar Leute bei ihrer Arbeit ein kurze Pause einlegten. Das Gras wurde mit einer leichten Dreizinkgabel schön gleichmäßig auf der Wiese ausgebreitet und bei gutem Wetter war es durch öfteres Wenden trocken und konnte in die Scheune gefahren werden. Bei der Heuernte halfen alle in der Familie mit, es wurden ja viele Helfer gebraucht und bei gutem Wetter war die Arbeit in ein paar Tagen getan. Es war trotz Müh und Arbeit eine schöne Zeit und wenn man sich abends nach getaner Arbeit noch eine Weile ausruhen konnte, dann hörte man, wenn im Dorf die Sensen gedengelt wurden und der würzige Duft von halbtrockenem Heu zog durch die Gassen und ich war dann glücklich und zufrieden, wenn wir diese Arbeit gut zu Ende gebracht hatten.

Normalerweise heißt es ja, die Zeit zwischen Heuernte und Kornernte sei eine müßige Zeit, das kann ich aber nicht sagen. Bei uns gab es immer etwas zu tun. Im Garten gab es zu ernten, die Bohnen wurden zu sauren Bohnen für den Wintervorrat eingemacht, die Johannisbeeren und Stachelbeeren wurden gepflückt und zu Gelee und Marmelade gekocht. Die Beete, die abgeerntet waren, wurden neu besät. Auf dem Dickwurzacker war Kraut und Wirsing, das Gemüse für den Wintervorrat, angepflanzt und der Weg über die Kartoffeläcker war doch manchmal angebracht. Hier und da hatte sich lästiges Unkraut breitgemacht, das wurde noch ausgerupft. Ein Blick zum Kornfeld, die grüne Farbe war nun einer goldenen gewichen. Mein Vater kam von einem Rundgang durchs Feld nach Hause, in seiner Hand trug er eine Handvoll abgeschnittene Kornhalme mit schönen Ähren und dazwischen Kornblumen, Margeriten und Mohn. Wir hatten drei Äcker mit Korn und er hat von jedem Acker ein Probe mitgebracht um die Reife zu prüfen und fürsorglich, damit es keine Verwechslung gab, eine Blume dazugebunden. Und wieder möchte ich einen passenden Liedvers einflechten:

Das Feld ist weiß, vor ihrem Schöpfer neigen
die Ähren sich, ihm Ehre zu bezeigen.
Sie rufen, kommet, laßt die Sicheln klingen
vergeßt auch nicht, das Lob des Herrn zu singen.

Ein Jahr, Allgüt'ger, ließest du es währen
bis uns gereift die Saat, die uns soll nähren.
Nun du sie gibest, sammeln wir die Gabe,
von deiner Huld kommt alle unsre Habe.

Am Acker am Südhang, dort, wo auch der Boden ziemlich leicht war, wurde nun die Kornernte begonnen. Es war nicht nur unser Acker, auf dem nun dieses erntereife Korn stand, o nein, es war ein ganzes Ährenfeld. Das Land war wohl in Äcker von verschiedener Größe aufgeteilt, aber bei der Anpflanzung paßten sich ziemlich alle einander an. Ein paar Margeriten, ein paar Kornblumen und Mohn blühten an den schmalen Wegrändern zwischen den goldenen Kornhalmen und sie gehörten dazu und gaben durch ihre bunten Farben dem Gold den schönen Kontrast. Wir haben damals noch unsere Garben zu Hausten in gut ausgerichteten Reihen auf dem Acker zusammengestellt. Welch schönen Anblick so ein abgeerntetes Kornfeld bot, unsere Nachkommen werden's nicht mehr erleben. Noch ein paar Tage mit Sonnenschein und die trockenen Garben wurden in die Scheune gefahren. Gewöhnlich war es so, daß sich nun die Haferernte anschloß. Der Hafer ist im Halm kürzer und wurde nur einmal gebunden und die Hausten wurden mit einem Hut versehen. Ein paar Tage gab man auch noch Zeit zum Trocknen und danach wurden auch sie in die Scheune gefahren. Ganze Scharen von Vögeln bevölkerten nun die abgeernteten Felder und fanden einen reichgedeckten Tisch.

Zwischendurch wurden die Wiesen wieder gemäht. Das übrige Gras, welches nicht als Grünfutter gebraucht wurde, kam getrocknet als Wintervorrat in die Scheune. Wenn der Wind über die Stoppeln weht, wird's Herbst.

Nun sind die Äcker leer, die Garben fort
auch Leere legt sich auf so manche Herzen.
Das Sommerglück verließ nun seinen Ort
nur ungern kann man es so ganz verschmerzen.

Auf dem Kartoffelacker hatte das Kraut auch schon seine grüne Farbe verloren und die Knollen sind dann ausgewachsen und reif zur Ernte. Auch die Obstbäume trugen schwer an ihren Früchten und eine sehr gute Obsternte stand uns bevor. Zum Mittagskaffee brachte uns die Mutter ein großes Stück Zwetschenkuchen auf den Kartoffelacker und es war an der Zeit, wo der gute Hoink gekocht wurde. Man spürte es, daß der Herbst auf dem Anmarsch war. Die Nächte waren merklich kühler, Morgens lag Nebel im Tal und es dauerte oft Stunden, bis sich die Sonne behaupten konnte und Abends spürte man, die Tage waren kürzer geworden. Das Kalenderblatt vom 21.9. sagte uns nun, es ist Herbst. Nachdem ein Vorrat von schönen Kartoffeln im Keller war, wurden die Kartoffeläcker mit Korn besät in der Hoffnung, daß wir im kommenden Jahr, so Gott will, wieder das Korn für unser tägliches Brot ernten dürfen.

Die abgeernteten Äcker wurden zwischendurch umgeackert und oft fanden sich Gäste ein, es waren Vögel, die in den frischen Furchen nach Würmern suchten. Der Dickwurzacker wurde nun abgeerntet. Einen Teil der Blätter hatten wir nach und nach dem Vieh gefüttert und die dicken Knollen gingen gut zu ernten, sie hatten ja kaum Wurzeln. Zum Schluß wurde das Gemüse, welches für den Wintervorrat gedacht war, nach Hause gefahren und es war dann der letzte Acker, der noch für die lange Winterruhe zu ackern war und dort erlebte ich, wie eine große Schar Schneegänse, die auf dem Weg nach Süden waren, über mich hinwegzogen, das war ein seltenes, aber wunderbares Erlebnis, wie die Vögel in einer geordneten Formation ihrem Ziel entgegenflogen. Der Garten wurde noch abgeerntet und tief umgegraben, und über Nacht machte der Frost allem, was vom Sommer übriggeblieben war, ein jähes Ende. Die Herbstblumen, die uns am Tag zuvor durch ihre bunte Pracht erfreut haben, sie lagen am Boden, sie sind mit Rauhreif bedeckt, es ist wohl ihr Totenkleid. Die fröhlichen Melodien unserer Vögel, sie sind verstummt, ihre Zahl hat abgenommen, ein Teil hat sich verabschiedet und ist nach südlichen Ländern geflogen. Noch ein paar Tage und der Wald legt ein buntes Kleid zum Abschied an. Wir hatten noch ein paar Arbeiten zu tun. Das abgeerntete Obst und Gemüse mußte noch zum Überwintern in den Keller gebracht werden. Äpfel und Birnen wurden ausgelesen und im Keller auf Gerüsten gelagert. Das Gemüse wurde zu Sauerkraut und Sauergemüse in großen Fässern haltbar gemacht. Im November ist Totensonntag. Die Gräber werden mit Tannenzweigen und Trockenblumen zur langen Winterruhe geschmückt, das war dann nun die letzte Arbeit, die im Freien verrichtet wurde. Oft ist es vorgekommen, daß wir die Tannenzweige in frisch gefallenen Schnee legen mußten. Ja, der Monat November, da paßte meistens alles zusammen. Der graue Himmel, Sturm, Regen, Schnee und die niedergeschlagene Stimmung der Menschen. Aber der Dezember war dann der Monat des Friedens, der Hoffnung, der Erwartung. Ich habe nun von Jahreszeiten geschrieben, so wie ich sie in meinem Elternhaus erlebt habe, es liegt weit zurück, Anfang der dreißiger Jahre. Unser Leben bestand nicht nur aus Arbeit, so wie es meinem Bericht nach scheinen mag, unser Leben hatte nur eine andere Grundlage. Lange Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, es hat sich vieles geändert, ich finde, nicht alles ist gut. Ich habe versucht, mit allem Schritt zu halten und es ist mir doch nicht gelungen. Ich freue mich, daß ich in meinem Alter das wiedergeben konnte, was mein Leben bestimmt hat.
 


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